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Können Pferde im Freien nicht sicher verwahrt werden?

Die Beklagte hatte die damals 13-jährige Haflingerstute Arabella im Offenstall auf einem Areal mit Viereck und Koppel gehalten. Die Beklagte hat Reiterpass, Reiternadel und die Lizenz für Dressur- und Sprungturniere und bildete Arabella aus. Sie nahm mit ihr an zahlreichen Turnieren und Messen teil und ritt regelmäßig mit ihr vier- bis fünfmal in der Woche bis eineinhalb Stunden. Das Pferd zeigte keine Untugenden und verhielt sich auch bei Trubel ruhig und unproblematisch. Hinter einer sichtabdeckenden Hecke fuhr trotz eines Fahrverbots der Kläger, der als Jagdpächter eine Fasanschütte befüllen wollte, auf seiner Vespa. Als die Haflingerstute sich aus unbekannten Gründen vom Strick losriss und flüchtete, erschrak der Kläger, stürzte und verletzte sich.
In früheren Entscheidungen ging es stets um unbeaufsichtigte Pferde. Der OGH gab aber auch der vorliegenden Klage gegen die Pferdebesitzerin statt. Denn bei Pferden als Fluchttieren kann ein Ausbrechen niemals ausgeschlossen werden, was jedem im Umgang mit Pferden Vertrauten bekannt ist. Ein Zurückhalten eines durchgehenden Pferdes ist nicht möglich, egal ob das Pferd mit Halfter und Führstrick oder mit Zaumzeug geführt wird. Laut OGH ist das Führen am Strick allein keine ausreichende Verwahrung und Beaufsichtigung. Dazu bräuchte es eine ausreichende Umzäunung der Wiese.
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Anmerkung:
Der OGH sagt auch in dieser Entscheidung nicht, was eine “ausreichende” Umzäunung einer Pferdekoppel ist. Betrachtet man seine früheren Entscheidungen hierzu, dann sind weder Elektrozäune noch Zäune mit einer Höhe von 1,2 Metern ausreichend, erst recht nicht, wenn sie von einem durchgehenden Pferd durchbrochen werden könnten.
Dass dem Mopedlenker die Nichtbeachtung des Fahrverbots nicht nachteilig ist, entspricht der ständigen Rechtsprechung im Verkehrsrecht: Denn ob jemand eine Straße benützen darf oder nicht, hat nichts damit zu tun, ob ihm dort ein Schaden zugefügt werden darf.

Dr. Lorenz Kirschner

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