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Erfolg gegen AUA: Haftung auch für Flugverspätung des außereuropäischen Zubringerfluges (Bangkok Airways) aufgrund einheitlicher Buchung

Nach der Judikatur des Europäischen Gerichtshofes begründet sowohl der Abflugs- als auch der Ankunftsort Wien-Schwechat die Zuständigkeit österreichischer Gerichte für eine Ausgleichszahlung nach Art 7 der Fluggastrechte-Verordnung (siehe https://www.kirschner-recht.at/zur-oertlichen-gerichtszustaendigkeit-bei-verspaeteten-segmentierten-fluegen/).

Mein Mandant hatte für sich und seine Familie einen Urlaub in Koh Samui in Thailand über ein Reisebüro gebucht. Von Wien bis Bangkok flog die AUA (Austrian Airlines), von Bangkok nach Koh Samui die Bangkok Airways, bei der Rückreise genauso.

Der Zubringerflug bei der Heimreise wurde nicht von der AUA selbst, sondern von der Thai abgewickelt. Es verspätete sich dieser erste gänzlich außereuropäische Zubringerflug, was zur Folge hatte, dass der Mandant und seine Familie ihren Anschlussflug nach Österreich verpassten.

Die Fluglinien vermeiden leider mittlerweile zB nach außen hin leicht erkennbares Code-Sharing, was eine Verantwortung für eine Verspätung des Zubringerfluges bedeuten würde. Im vorliegenden Fall war das genauso: Die AUA behauptete, dass sie nicht das “ausführende Luftfahrtunternehmen” war und der Flug “nicht einmal mit einem Code-Sharing” durchgeführt wurde, sie sei daher für die Klage nicht passivlegitimiert. Die Fluggastrechte-Verordnung sei nicht einmal anwendbar, weil die Bangkok Airways kein eurpäisches Luftfahrtunternehmen ist und auch keinen Flug in die EU durchgeführt hat. Außerdem sei der AUA-Flug von Bangkok nach Wien plangemäß gewesen. Alles richtig.

Aber:

Die AUA hatte alle Tickets ausgestellt und dieselbe elektronische Ticketnummer vergeben. Und die Flüge waren im Rahmen einer Pauschalreise über ein renommiertes Reisebüro gebucht worden. Demzufolge war für die Gerichte klar, dass hier von einem “einheitlichen Beförderungsvertrag” auszugehen war, weil der Kläger die “einheitliche Buchung” nachweisen konnte. Somit gilt die AUA trotzdem als “ausführendes Luftfahrtunternehmen” und haftet für die Flugverspätung der Partnerfluglinie.

 

Update 12. Juli 2019:

Nunmehr hat auch der EuGH diese Rechtsansicht übernommen (C-502/18).

 

Dr. Lorenz Kirschner

Dr. Lorenz Kirschner